Fang den Sommer ein – Kräuter- und Blütenöle

Schon immer haben Menschen die Wirkstoffe von Heilpflanzen haltbar gemacht und in Salben, Tinkturen oder als Tee für ihre Gesundheit genutzt. Jetzt im Sommer, wo die Sonne am höchsten steht und Kräuter und Blüten viele Sonnenstunden aufnehmen, ist die Zeit der Kräuterernte. Durch das Sonnenlicht entwickeln die Pflanzen ihre höchste Heil- und Würzkraft. Um diese ‚Sonnenkräuterkraft‘ für die dunkle Jahreszeit zu bewahren, stelle ich verschiedene Kräuter- und Blütenöle her, indem ich die Blüten oder Kräuter in Pflanzenöl ausziehe. So einen Ölauszug nennt man auch Mazerat und lässt sich leicht herstellen. Auszüge mit Öl können Hautirritationen lindern und werden als Zutat für heilende Salben geschätzt. Nach und nach möchte ich Euch verschiedene Pflanzen, deren Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten vorstellen.

Bluetenoele

Basics:
Damit sich so ein Ölauszug auch lange hält, benutze ich ein gutes Pflanzenöl, das noch mindestens 12 Monate haltbar ist (Herstellerhinweise beachten). Die Pflanzen werden am vormittag geerntet, wenn der Tau abgetrocknet ist, gesäubert und zerkleinert. Die Kräuter/Blüten können frisch oder getrocknet mazerisiert werden. Bei Pflanzen, die ausschließlich frisch mazerisiert werden, weise ich extra hin. Die frischen Pflanzen dürfen keine sichtbare Feuchtigkeit mehr enthalten (Regen- oder Tautropfen) damit sich kein Schimmel bilden kann. Dann wird ein Schraubglas zu 2/3 mit den zerkleinerten Pflanzenteilen gefüllt und mit Öl aufgegossen. Das Öl sollte mindestens 2 cm über den Pflanzenteilen stehen. Das verschlossene Glas wird dann für ca. 5-6 Wochen an einen schattigen Platz gestellt und regelmäßig alle 2 Tage geschüttelt. Nach dieser Prozedur wird das Öl durch ein Sieb, einen Papierfilter (Tee/Kaffee) oder ein dünnes Baumwolltuch abgesiebt und in einer dunklen Flasche an einem kühlen Ort aufbewahrt. Wichtig: mit Inhalt und Datum beschriften.

233px-Illustration_Lavandula_angustifolia0Entspannendes Lavendelöl
Das äth. Öl des Lavendel hat eine beruhigende Wirkung, heilt Entzündungen, durchblutet die Haut, entspannt die Muskulatur und fördert das Einschlafen.
Rezept: Für das Öl werden 2-3 Handvoll Lavendel-blüten zwischen den Handflächen zerrieben, damit sich die Wirkstoffe besser lösen können, in ein Schraubglas gefüllt und mit dem Öl  aufgegossen; ca. 5 Wochen mazerisieren. Als Massageöl eignen sich sehr gut Oliven-, Mandel- oder Distelöl.
Anwendung: Lavendelöl eignet sich sehr gut als Massageöl, besonders abends vor dem Zubettgehen, fördert es das Einschlafen
Erntezeit: Mitte Juli bis Ende September

Steinklee3Steinkleeöl – eine Wohltat für die Beine
Schon die winzigen gelben Blüten, die sich in die Höhe recken, geben die Signatur der Steinkleepflanze bekannt – Leichtigkeit…
Rezept: Die Blüten und Blätter der Steinkleepflanze werden zerkleinert, in ein Schraubglas gefüllt und mit Öl (Oliven- Sonnenblumen- oder Weizenkeimöl) aufgegossen; ca. 6 Wochen mazerisieren.
Anwendung: Steinkleeöl löst Verkrampfungen und wird bei müden, schmerzenden Beinen, Krampfadern oder Wadenkrämpfen als Massageöl eingesetzt. Außerdem regt das Öl die Heilung bei Blutergüssen, Prellungen, Verstauchungen und Hämorrhoiden an. Bei Migräne und Kopfschmerzen kann eine sanfte Massage der Schläfen mit Steinkleeöl Linderung verschaffen.
Erntezeit: Mai bis August

SchöllkrautSchöllkrautöl – ‚reizend‘ gegen Warzen und Hühneraugen
Das unscheinbare Kraut, das gerne in altem Mauerwerk wächst, verbirgt eine große Heilkraft. Der milchig-gelbe Saft, der beim abbrechen eines Pflanzenteils hervortritt, ist ätzend und wird bei Hühneraugen, Schwielen und Warzen eingesetzt.
Rezept: Ein Schraubglas zu 2/3 mit frischen, zerkleinerten Pflanzenteilen füllen und mit Öl (Oliven-, Mandel- oder Sonnenblumenöl) auffüllen; ca. 6 Wochen mazerisieren – der Ölansatz darf an einen sonnigen Platz und sollte täglich geschüttelt werden.
Anwendung: Die betroffenen Hautstellen (Warzen, Hühneraugen, Schwielen) täglich mehrmals mit dem Öl bestreichen.
Erntezeit: Mai bis Juli

Borretsch Borretschöl – für ‚innen‘ und ‚aussen‘
Bekannt ist Borretsch als würziges Küchenkraut, das Gurkengerichten ihren besonderen Geschmack gibt. Aber es ist auch ein Heilkraut, das bei Neurodermitis, Ekzemen und zur Wundheilung eingesetzt wird.
Rezept: Ein Schraubglas zu 2/3 mit zerkleinerten Pflanzenteilen (Blüten, Blätter) füllen und mit Öl (Sonnenblumen-, Olivenöl) auffüllen; ca. 4 Wochen mazerisieren.
Anwendung:  innerlich: als Würzöl für Salate und Rohkost
äusserlich: als Massageöl bei trockener, rauer Haut, sowie bei Ekzemen, Juckreiz oder Hautausschlag.
Erntezeit: Juni bis August